Donnerstag, 03 April 2025 15:57

Berlin braucht Milliarden für marode Infrastruktur

Artikel bewerten
(0 Stimmen)
Berlin braucht 108 Mrd. Euro für Infrastruktur Berlin braucht 108 Mrd. Euro für Infrastruktur pixabay/Foto illustrativ

Straßen mit Schlaglöchern, überfüllte Nahverkehrszüge, sanierungsbedürftige Schulen – Berlins Infrastruktur steht unter massivem Druck. Eine neue Studie liefert konkrete Zahlen und zeigt mögliche Finanzierungswege auf. In den kommenden zehn Jahren müssten mindestens 108 Milliarden Euro investiert werden, um die Hauptstadt zukunftsfähig zu machen. Es geht um Sanierung und Modernisierung – vom Rathaus bis zum Wärmenetz.

Inhaltsverzeichnis:

Öffentliche Gebäude wie Rathäuser benötigen 48 Milliarden Euro

Laut der am Donnerstag vorgestellten Analyse der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, der Investitionsbank Berlin und des Ostdeutschen Bankenverbandes besteht besonders großer Investitionsbedarf bei öffentlichen Gebäuden.
Rund 48 Milliarden Euro sind für Rathäuser, Behördenstandorte und Verwaltungsgebäude erforderlich. Diese Bauwerke stammen oft aus den 1960er- bis 1980er-Jahren und weisen gravierende bauliche und energetische Mängel auf.

Weitere zentrale Bereiche sind:

  • Nahverkehr (17 Milliarden Euro)
  • Bildungseinrichtungen wie Universitäten, Schulen und Kitas (13 Milliarden Euro)
  • Wasser-, Energie- und Wärmenetze in öffentlicher Hand (11 Milliarden Euro)

Alexander Schirp sieht „Investitionsstau mit Händen greifbar“

Alexander Schirp, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, betonte die Dringlichkeit.
Die Infrastruktur laufe seit Jahren „auf Verschleiß“, so Schirp. Sichtbare Schäden und technische Defizite seien in fast allen Stadtteilen offensichtlich. Er sprach von einer „Mammutaufgabe“, die nicht länger hinausgezögert werden könne.

Gleichzeitig warnte Schirp davor, sich auf Bundesmittel zu verlassen. Auch wenn Berlin von einem milliardenschweren Investitionspaket des Bundes profitieren könnte, reiche das laut Studie bei Weitem nicht aus, um den tatsächlichen Finanzbedarf zu decken.

Stefan Brandt schlägt Finanzierung über Kapitalmarkt vor

Stefan Brandt von der Investitionsbank Berlin empfiehlt, zusätzlich privates Kapital zu nutzen. Die IBB finanziere bereits große Teile ihrer Aktivitäten über den Kapitalmarkt. Dabei würden Anleihen ausgegeben, die von privaten Investoren gezeichnet werden.

Das geliehene Geld fließe in langfristige Kredite, zum Beispiel für Infrastrukturprojekte. Brandt betonte, dass die öffentliche Hand dabei keine Eigentumsrechte aufgebe, sondern lediglich Finanzierungsmodelle erweitere.
Das Modell der öffentlich-öffentlichen Partnerschaft ermögliche es, Modernisierungen ohne Ausverkauf des öffentlichen Eigentums umzusetzen.

Privatkapital als unverzichtbare Ergänzung staatlicher Mittel

Schirp räumte ein, dass jede Finanzierung über den Kapitalmarkt Zinsen koste. Doch ohne diese Mittel sei der Sanierungsbedarf nicht zu decken. Berlin sei auf privates Kapital angewiesen, um zumindest in die Nähe des benötigten Betrags zu gelangen.

Die Studienmacher sind sich einig:

  • Der Investitionsbedarf ist konkret und dringend.
  • Allein mit öffentlichen Mitteln ist er nicht zu bewältigen.
  • Ein intelligenter Mix aus Bundesmitteln, Landesgeldern und privaten Investitionen ist notwendig.

Die Zeit drängt – Berlin muss handeln, bevor die Infrastruktur weiter zerfällt.