Inhaltsverzeichnis:
- Zeugin berichtet von vier Bränden und vier Todesfällen
- Auffälliges Verhalten im Frühling 2024
- Medikamentencocktails ohne Zustimmung
- Prozessfortsetzung im August
Zeugin berichtet von vier Bränden und vier Todesfällen
Die medizinische Leiterin eines Pflegedienstes schilderte vor dem Berliner Landgericht auffällige Häufungen von Todesfällen. Die 43-Jährige hatte sich bereits im Juli 2024 an die Polizei gewandt. Sie war zu diesem Zeitpunkt Vorgesetzte des Angeklagten. Zwischen Mai und Juni 2024 habe es innerhalb von sechs Wochen vier Todesfälle und ebenso viele Wohnungsbrände gegeben.
Laut ihrer Aussage sei dies kein Zufall gewesen. Sie beschrieb den Angeklagten als höflich und beliebt, insbesondere zu Beginn seiner Tätigkeit im Januar 2024. Das Palliativteam war neu gegründet worden, und er übernahm hauptsächlich Fälle im Berliner Stadtteil Neukölln. Er habe sich zwar als engagiert gezeigt, aber eine leitende Funktion bewusst abgelehnt.
Auffälliges Verhalten im Frühling 2024
Der Arzt trug bei Hausbesuchen stets einen großen Rucksack voller Medikamente, was der Zeugin verdächtig vorkam. Zudem übernahm er regelmäßig Fälle, die außerhalb seines eigentlichen Einsatzbereichs lagen. Im März 2024 soll es laut Zeugin zu einem emotionalen Ausbruch gekommen sein. Nach einem Anruf nach ihrer Urlaubsrückkehr habe er geschrien, er kündige, sich aber wenig später entschuldigt. Begründung: Zu viele Todesfälle über Ostern.
Daraufhin wurde das Versorgungsgebiet neu aufgeteilt. Ein dritter Palliativmediziner wurde ebenfalls ins Team aufgenommen. Trotzdem häuften sich die Vorfälle. Bereits am 11. Juni 2024 berichtete der Angeklagte erstmals von einem Wohnungsbrand bei einer Patientin. Am 24. Juli folgte ein weiterer tödlicher Brand. Drei Tage später erstattete die Zeugin Anzeige.
Medikamentencocktails ohne Zustimmung
Laut Anklage soll der Arzt gezielt ein tödliches Gemisch aus mehreren Substanzen verabreicht haben – ohne medizinische Notwendigkeit und ohne Wissen der Betroffenen. Die Staatsanwaltschaft spricht von zwölf weiblichen und drei männlichen Opfern. In mehreren Fällen soll er die Taten durch gelegte Brände zu vertuschen versucht haben.
Die Ermittlungen weiten sich aktuell aus. Insgesamt existieren derzeit 71 weitere Verdachtsfälle, die untersucht werden. In 15 dieser Fälle wurden bereits Exhumierungen angeordnet. Die Leichen sollen rechtsmedizinisch untersucht werden, um den Todeszeitpunkt und mögliche Fremdeinwirkung zu klären.
Prozessfortsetzung im August
Der Angeklagte schweigt bisher zu den Vorwürfen. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 13. August 2025 angesetzt. Der Prozess findet vor dem Landgericht Berlin statt und wird voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Dabei soll geklärt werden, ob es sich bei den Todesfällen um gezielte Tötungen oder medizinische Fehlentscheidungen handelte.
Die Ermittlungen werden in enger Abstimmung mit den Berliner Pflegediensten und dem Landeskriminalamt geführt. Weitere Ergebnisse der rechtsmedizinischen Gutachten stehen noch aus.
Quelle: RBB24, webrivaig.com/de