Dienstag, 11 November 2025 17:46

Gefährliche synthetische Drogen in Berlin

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Patienten nach Drogenkonsum im Berliner Krankenhaus Am Urban behandelt. Patienten nach Drogenkonsum im Berliner Krankenhaus Am Urban behandelt. Foto: Pixabay/Pixabay-Lizenz

Im Berliner Stadtteil Kreuzberg wächst die Sorge vor einer neuen Welle gefährlicher Substanzen. Im Krankenhaus Am Urban häufen sich Notfälle, die mit dem Konsum synthetischer Drogen in Verbindung stehen. Ärzte sprechen von lebensbedrohlichen Symptomen und einem deutlichen Anstieg der Fälle innerhalb der letzten Jahre.

Inhaltsverzeichnis:

Mark Hackbarth und das Kreuzberger Klinikum Am Urban

Chefarzt Mark Hackbarth beobachtet seit Jahren die Folgen des Drogenkonsums in seiner Klinik. Er berichtet von jungen Patientinnen und Patienten mit Körpertemperaturen über 42 Grad, schweren Herzrhythmusstörungen und Kreislaufversagen. Manche zeigen psychische Symptome wie Entfremdung oder Halluzinationen. Die Ärzte können die Ursachen oft erst durch Hinweise aus dem Umfeld der Betroffenen erkennen.

Die Substanzen, die konsumiert werden, sind in vielen Fällen synthetische Cathinone – chemische Abwandlungen bekannter Drogen. Ihre Konzentration sei laut Hackbarth „um ein Hundert- bis Tausendfaches höher“ als bei älteren Wirkstoffen. Das mache sie besonders gefährlich. Schon eine geringe Menge kann lebensbedrohlich sein.

Ähnliche Warnungen gab es bereits nach dem Fund eines illegalen Labors in Nauen, wo unter anderem 3-CMC und 4-CMC hergestellt wurden. Diese Stoffe gelangen über verschiedene Wege auf den Berliner Markt. Sie werden oft falsch deklariert, was das Risiko zusätzlich erhöht. Mehr zu vergleichbaren Gesundheitsgefahren in der Region finden Sie hier.

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Falsch deklarierte Substanzen auf dem Markt

Das sogenannte Drugchecking-Programm in Berlin soll Klarheit schaffen. Einrichtungen wie Vista, Fixpunkt und die Schwulenberatung bieten an, anonym erworbene Drogenproben analysieren zu lassen. Dafür genügt bereits eine Messerspitze des Pulvers.

Die Ergebnisse sind alarmierend. 2024 wurden 422 Proben eingereicht, die als Mephedron (4-MMC) verkauft wurden. Nur 122 enthielten tatsächlich diesen Wirkstoff. In vielen Fällen fanden sich stattdessen 2-MMC, 3-CMC oder 4-CMC. Diese Substanzen wirken teilweise ähnlich, doch ihre Nebenwirkungen sind unberechenbar. 4-CMC, auch Clephedron genannt, steht im Verdacht, neurotoxisch zu sein.

Tizian Keßler vom Drugchecking Berlin erklärt, dass sein Team jährlich rund 800 Proben untersucht. Die Nachfrage sei jedoch noch höher. „Eigentlich immer, wenn es sich um eine falsche Deklaration handelt, raten wir vom Konsum ab“, sagt Keßler. Das zeigt, wie unkontrollierbar der Markt geworden ist. Eine ähnliche Problematik wurde kürzlich auch bei der Sicherstellung von Drogen in Berliner Supermärkten deutlich.

Felix Betzler und die „Blackbox“ synthetischer Cathinone

Psychiater Felix Betzler von der Berliner Charité sieht in der Unkenntnis vieler Konsumenten ein gravierendes Problem. Kaum jemand komme in die Therapie, weil er gezielt 3-CMC oder 4-CMC konsumiert habe. Die meisten wüssten gar nicht, welche Substanz sie tatsächlich eingenommen hätten. Er bezeichnet synthetische Cathinone als „Blackbox“, weil ihre Zusammensetzung unklar ist.

Das Fehlen klarer Informationen erschwert nicht nur die Therapie, sondern auch die Akutbehandlung. Hackbarth berichtet, dass sich in der Notaufnahme oft nicht feststellen lässt, welche Stoffe die Vergiftung verursacht haben. Zwar wäre ein Nachweis theoretisch möglich, doch zu teuer und zeitaufwendig. „Deshalb finden wir niemals den Beweis“, erklärt der Chefarzt.

Fehlendes Gegengift und überlastete Kliniken

Für Ärztinnen und Ärzte bleibt die Behandlung schwierig. Es existiert kein spezifisches Gegengift gegen synthetische Drogen. Die Therapie beschränkt sich auf die Stabilisierung der Patienten und auf Hoffnung, dass sie überleben.

Die Belastung für das medizinische Personal ist enorm. Manche Fälle enden trotz aller Bemühungen tödlich. Erst vor zwei Wochen verstarb ein junger Mensch in der Klinik Am Urban. Auch hier deuteten die Symptome auf den Konsum synthetischer Substanzen hin.

Das Problem zeigt Parallelen zu anderen Gesundheitsrisiken in der Hauptstadt. Eine ähnliche Überforderung der Kliniken wurde etwa nach dem EHEC-Ausbruch in Mecklenburg-Vorpommern deutlich.

Die Berliner Gesundheitsbehörden und Kliniken stehen somit vor einer wachsenden Herausforderung. Synthetische Drogen wie 3-CMC, 4-CMC oder Mephedron verändern den Markt rasant und bringen tödliche Risiken mit sich. Nur Aufklärung, präventive Tests und mehr Kapazitäten in den Notaufnahmen können verhindern, dass weitere Leben verloren gehen.

Standorte der Krankenhäuser in Berlin:

Karte: Google Maps

Quelle: rbb24, www.milekcorp.com/de/