Donnerstag, 11 September 2025 12:37

Berlin erlebt den längsten Stromausfall seit 25 Jahren

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Arbeiten an beschädigten Stromleitungen in Berlin dauern an Arbeiten an beschädigten Stromleitungen in Berlin dauern an Pixabay/Foto illustrativ

Seit Dienstagmorgen steht der Südosten der Hauptstadt im Ausnahmezustand. Noch immer sind mehr als 13.000 Haushalte und Betriebe ohne Elektrizität. Auch Warmwasser fehlt in vielen Wohnungen. Die Netzbetreiber arbeiten rund um die Uhr, um die Versorgung schrittweise wiederherzustellen.

Inhaltsverzeichnis:

Stromnetz Berlin repariert beschädigte Leitung

Rund 13.700 Haushalte und Geschäfte in Niederschöneweide, Köpenick, Grünau, Johannisthal, Adlershof, Bohnsdorf und Altglienicke waren am Donnerstagmorgen noch immer ohne Strom. In vier Metern Tiefe verlegten Monteure Kabel, um die zerstörten Stellen eines Strommastes zu umgehen. Der Mast war bei einem Brandanschlag schwer beschädigt worden, kann aber weiterhin genutzt werden.

Die Netzbetreiber setzten auf eine Zwischenlösung, die länger Bestand haben soll. Bis zum Donnerstagabend sollten alle Kunden wieder an das Netz angeschlossen werden. Der Sprecher von Stromnetz Berlin betonte, dass die Arbeiten äußerst komplex seien, jedoch Fortschritte sichtbar seien.

Schulen in Treptow-Köpenick geschlossen

Die Folgen des Ausfalls sind weitreichend. Eine Grundschule in Altglienicke mit dem Namen „Am Mohnweg“ konnte am Donnerstag keinen Unterricht abhalten. Bereits am Mittwoch mussten insgesamt zwölf Schulen schließen. Falls die Stromversorgung wie geplant zurückkehrt, soll am Freitag der reguläre Betrieb wieder starten.

Auch die Versorgung mit Warmwasser ist stark beeinträchtigt. Viele Menschen in den betroffenen Stadtteilen müssen weiterhin ohne auskommen. Grund dafür ist, dass das zuständige Kraftwerk ebenfalls vom Ausfall getroffen wurde.

Notruf 110 und 112 eingeschränkt erreichbar

Ein weiteres Problem betrifft die Notrufsysteme. In Teilen von Treptow-Köpenick sind die Nummern 110 und 112 noch immer nicht vollständig erreichbar. Polizei und Feuerwehr haben zusätzliche Einsatzkräfte vor Ort positioniert.

Die Bevölkerung kann sich an mehrere temporäre Annahmestellen wenden. Sie befinden sich unter anderem in der Semmelweisstraße 83, an der Schönefelder Chaussee, am Ehrenfelder Platz sowie am Bahnhof Spindlersfeld.

  • Semmelweisstraße 83, 12524 Berlin
  • Schönefelder Chaussee / Wegedornstraße, 12524 Berlin
  • Ehrenfelder Platz, 12524 Berlin
  • Oberspreestraße 37, 12493 Berlin
  • S-Bahnhof Spindlersfeld, 12555 Berlin
  • Eisenhutweg / Straße am Flugplatz, 12487 Berlin

Einschränkungen bei Bahn und Bus

Auch der Nahverkehr leidet. Straßenbahnlinien und eine Busverbindung fahren derzeit nur eingeschränkt. Betroffen sind:

  • Tram M17: kein Verkehr zwischen S Schöneweide und S Adlershof
  • Tram 63: kein Verkehr zwischen Köllnischer Platz und Johannisthal bzw. S Schöneweide
  • Tram 68: kein Verkehr zwischen Betriebshof Köpenick und Wendenschloß
  • Bus 265: Umleitung zwischen Sterndamm/Königsheideweg und Sonnenallee/Baumschulenstraße

Die Berliner Verkehrsbetriebe setzen Ersatzmaßnahmen ein, doch viele Pendler müssen längere Wege in Kauf nehmen.

Anschlag auf den Technologiepark Adlershof

Die Ursache des Ausfalls liegt in einem gezielten Angriff. Zwei Strommasten wurden in Brand gesetzt. Nach ersten Ermittlungen steckt eine extremistische Gruppe dahinter. Rund 50.000 Kunden waren zu Beginn betroffen, am Mittwoch noch etwa 20.000.

Besonders schwer trifft es den Technologiepark Adlershof. Dessen Leiter Roland Sillmann erklärte, dass viele Firmen am Wochenende arbeiten wollen, um Produktionsausfälle zu kompensieren. Vor allem produzierende Unternehmen seien stark betroffen.

Schäden im Landeslabor Berlin-Brandenburg

Auch das Landeslabor in Adlershof ist massiv eingeschränkt. Direktor Mike Neumann warnte am Donnerstag vor erheblichen Verlusten. Die Notstromversorgung decke nur einen kleinen Teil der Kühlgeräte ab. Lebensmittelkontrollen, Verbraucherschutz, Tierseuchenabwehr und Umweltanalysen seien dadurch stark gefährdet.

Laborarbeiten können derzeit nicht stattfinden. Ob die hochwertigen Messgeräte beschädigt wurden, zeigt sich erst nach der Wiederaufnahme des regulären Betriebs. Die Gesamthöhe des Schadens ist bislang nicht bekannt.

Aufruf zum Stromsparen

Um die Versorgung stabil zu halten, bittet Stromnetz Berlin alle bereits wieder angeschlossenen Kunden, ihren Verbrauch zu reduzieren. Jeder gesparte Kilowattstunde kann helfen, weitere Haushalte schneller ans Netz zu bringen.

Der Stromausfall im Südosten Berlins bleibt damit auch am dritten Tag eine Herausforderung für Bewohner, Unternehmen und Behörden. Die kommenden Stunden entscheiden, ob die Versorgung wie geplant bis zum Abend vollständig wiederhergestellt werden kann.

Quelle: rbb24, YouTubbe/rbb24, www.fox360.net/de